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Verdacht einer Kindeswohlgefährdung in der Mediation – Was tun? (Schermaier-Stöckl, FamRB 2018, 496)

Der Artikel geht der Frage nach, wie sich Mediatoren und Mediatorinnen verhalten sollen, wenn in einer Mediation der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung auftritt. Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen von Vertraulichkeit und Verschwiegenheit in Bezug gesetzt zu Kinderschutzpflichten und diese im Hinblick auf unterschiedliche Berufskontexte von Mediatorinnen und Mediatoren analysiert. Dazu gilt es zu klären, was überhaupt unter dem Begriff Kindeswohlgefährdung gemeint ist, und wo die Grenzen von Vertraulichkeit und Verschwiegenheit in der Mediation liegen.

A. Beispiele aus der Mediationspraxis

B. Vertraulichkeit und Verschwiegenheit in der Mediation

C. Kindeswohlgefährdung und Kinderschutz

I. System des Kinderschutzes

1. Familiengericht

2. Jugendamt

3. Fachkräfte freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen

4. Besondere Berufsgruppen nach § 4 KKG (Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz), die nicht schon von § 8a Abs. 4 SGB VIII umfasst sind (Berufsgeheimnisträger)

5. Personen mit beruflichem Kontakt zu Kindern, § 8b Abs. 1 SGB VIII

6. Insoweit erfahrene Fachkraft

II. Stellung von Mediatorinnen und Mediatoren im System des Kinderschutzes

D. Zusammenfassung: Mediation im Kinderschutzkontext


A. Beispiele aus der Mediationspraxis

Jede Mediatorin, jeder Mediator, die bzw. der in der Familienmediation tätig ist, kennt vergleichbare Fälle:
 

  • Die Eltern in einer Trennungsmediation sind sich einig, dass körperliche Gewalt und Züchtigung richtige Mittel sind, um den 10-jährigen Sohn zum Lernen zu „motivieren“.
  • In der Mediation hat der Mediator den Verdacht, dass einer der Medianden ein Kind sexuell missbraucht.
  • Im gerichtlichen Sorge- und Umgangsrechtsverfahren wurde den Eltern Mediation empfohlen. Es ist bereits ein Verfahrensbeistand für das Kind bestellt und ein Sachverständigengutachten zur Frage der Erziehungsfähigkeit der Eltern wurde vom Familiengericht in Auftrag gegeben. Die Eltern kommen zum Erstgespräch und es wird deutlich, dass die Eltern so sehr in ihrem Konflikt verstrickt sind, dass sie das Kind aus dem Blick verloren haben.


In all diesen Fällen stellt sich für den Mediator oder die Mediatorin die Frage: Wie soll ich mich verhalten, wann darf oder muss ich mich an wen wenden? Was muss ich beachten?

B. Vertraulichkeit und Verschwiegenheit in der Mediation
Vertraulichkeit und Verschwiegenheit gehören zu den zentralen Prinzipien der Mediation.

Der Europäische Verhaltenskodex für Mediatoren, der am 2.7.2004 von der Europäischen Kommission verabschiedet wurde, verpflichtet Mediatorinnen und Mediatoren zur Vertraulichkeit in Bezug auf alle Informationen aus dem Mediationsverfahren, außer es gibt eine gesetzliche oder aus Gründen der öffentlichen Ordnung (ordre public) bestehende Verpflichtung zur Offenlegung. Auch Informationen, die eine der Parteien dem Mediator bzw. der Mediatorin im Vertrauen mitgeteilt hat, dürfen nicht ...

 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 11.12.2018 15:47
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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